Weihnachtsstimmung? Nö!

Da geht man nichts ahnend durch die Stadt und dann holt es einen ein … Weihnachten, in diesem Fall vertreten durch die Vorbereitungen zum Weihnachtsmarkt und allem, was damit zusammenhängt.

Da werden sie wieder aufgebaut, diese Buden, an denen der geneigte Besucher Billigglühwein der Marke „Schmeckt nicht“ in sich hineinschütten kann, bis er taumelnd fast ins Kinderkarussell stolpert. Bei den Preisen, die dafür verlangt,  anstandslos gezahlt und zusätzlich zum Pfandgeld auf den Tresen gelegt werden, könnte man auch einmal gepflegt essen gehen … zumindest, wenn man in geselliger Runde unterwegs ist. Apropos essen … da kostet eine Champignonpfanne mehr als ein normaler Mittagstisch mit Getränk, aber komischerweise scheint das keinen zu interessieren. Dabei meckern sonst immer alle, dass sie kein Geld haben. Zum Nachtisch kann man sich dann die teuren Porzellankronen auch mal an einen kandierten Apfel ausbeißen und anschließend heillos überteuerten Weihnachtsschmuck erstehen. Eine einzelne handgeklöppelte Christbaumkugel aus biologisch abgewirtschaftetem Holz von freilaufenden Bauern kostet dort ebenso viel, wie man in einem Kaufhaus für den kompletten Baumschmuck ausgeben würde – inklusive Beleuchtung.

Wo wir gerade beim Thema sind … ob es unsere Stadt wohl in diesem Jahr schafft, die Bäume anständig zu beleuchten, oder ob die Lichterketten wieder nur das obere Drittel, maximal die obere Hälfte abdecken? Angeblich werden die ja sonst von Kindern abgerissen. Schade, dass scheinbar in dieser Stadt nur dumme Kinder leben, überall sonst geht das nämlich. Man sehe sich nur die geschmückten Bäume und Straßen in anderen Städten an, das lässt dann schon Stimmung aufkommen. Hier ist das Fehlanzeige.

Ich präsentiere hier mal einen Blick auf die liebevoll geschmückten Bäume des letzten Jahres … man beachte auch die Absperrung rundherum bei einem Baum. Wahrscheinlich, damit keine Kinder herankommen können. Ob die Planer eigentlich jemals ein Kind vor einem Tannenbaum haben stehen sehen? Wenn die Augen leuchten und sie fast andächtig auf die Kerzen sehen? Geht hier natürlich nicht, welches Kleinkind kann schon in drei Meter Höhe die erste Kerze entdecken? Da muss man selbst als Erwachsener den Kopf teilweise in den Nacken legen.

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Und die Krönung sind dann diese fürchterlichen Plapperbuden. Holzkisten und Hausform mit hinter Glas aufgebauten Puppen, die Märchen nachsprechen. Natürlich teilweise so dicht nebeneinander, dass man nicht selten von drei dieser unsäglich nervigen Stimmen gleichzeitig berieselt wird. Bummeln macht so keinen Spaß.

Mein Vorschlag … lasst uns die Uhren vorstellen.

Auf den 27.12., dann ist der ganze Spuk vorbei.

Oder besser noch, auf den 1. April des nächsten Jahres. So umgehen wir Schnee und Eis.

Ich wäre dafür.

In diesem Sinne … Happy Advent … oder so.

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Nachlese …

Leise fällt die Mutter um

Auf dem Dorf herrscht große Stille
Die allerfeinste Kitschidylle
Die Mutter rennt, die Kinder toben
Schon wieder läuft sie schnell nach oben

Das Haus geputzt, das Bäumchen auch
Und dann gibt es nach altem Brauch
Von den Kartoffeln den Salat
Dazu die Würstchen aus der Stadt

Gleich fällt die ganze Meute ein
und möchte gern beköstigt sein
Später dann sind alle satt
Bloß Mutter nicht, die ist nur platt

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© Valerie le Fiery  2012

Ein Gedicht, ein Gedicht

Weihnachtsmann, ach Weihnachtsmann!
Warum schaust du mich böse an?
Ich war doch wirklich immer brav.
Hey – geradezu ein weißes Schaf.

Nur einmal, ja, ich geb es zu,
da kam ich wirklich aus der Ruh´.
Der blöde Nachbar nervte sehr.
Die Hausmusik ging auf´s Gehör.

Er spielte dann auch grottenschlecht.
Da hab ich mich halt mal gerächt.
Ich warf den Stein so kurz vor vier,
traf allerdings nur das Klavier.

Und Oma Gerkes Apfelbaum?
Na ja, ich hab ihn umgehaun.
Sie war sehr böse und ihr Gatte,
der drohte mit der Eisenlatte.

Was noch? Ich denke kurz mal nach.
Die Inlineskater auf dem Dach?
In Sicherheit nur vor den Gören –
Du solltest sie bloß einmal hören,

wenn sie die Straße runterbrausen.
Da kriegste wirklich Ohrensausen.
War nur zum Besten hier für alle.
Das meinte auch mein Freund, der Kalle.

Was meinst du grad? Ach ja, der Wagen?
Was soll ich dazu denn jetzt sagen?
Der parkte ständig vor der Tür
und nahm die ganze Sonne mir.

Bin mit dem Schlüssel ausgerutscht
und an der Seite längsgeflutscht.
Das Muster war sogar gefällig.
Nicht so brav und etwas wellig.

Das waren auch schon meine Sünden,
weiter wirst du da nix finden.
Du siehst, dass ich ein Engel bin
– und wirklich keine Sünderin.

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© Valerie le Fiery 2012