Halbgötter in Weiß oder wie man sich als Patient doch ziemlich veralbert vorkommt

Nehmen wir mal einen fiktiven Fall … hier dargestellt zwischen Patient (P), Arztpraxis (A) und ambulantem Operationszentrum (O).

 

Beginnen wir im November letzten Jahres …

P: Ich hätte gerne einen Termin für eine Kontrolle.

A: Okay, ich schaue mal nach. Ich hätte da noch etwas im Mai frei. Passt Ihnen das?

P: Geht es nicht früher? Ich meine, das ist noch ein halbes Jahr.

A: Leider nein … also nehmen Sie den Termin nun oder nicht?

P: Bleibt mir ja nicht viel anderes übrig, oder? Also okay, in einem halben Jahr dann, auch wenn ich jetzt nicht einmal weiß, ob es dann an dem Tag passen wird.

Wir hopsen dann mal kurz in unsere Zeitmaschine und landen im besagten Mai, Patient sitzt beim Arzt und erfährt, was er schon befürchtet hatte, nämlich, dass er um eine kleine Operation nicht herumkommt.

P: Und wann soll das gemacht werden? Immerhin muss ich ja meinem Chef Bescheid geben und so.

A: Das sehen wir dann, zunächst bekommen Sie erst einmal einen Voruntersuchungstermin im Operationszentrum.

P: Wissen Sie, wann das ungefähr sein wird?

A: Nein, meine Damen kümmern sich darum und geben Ihnen dann Bescheid, sobald Sie Ihr Einverständnis gegeben haben. Nach dem Termin geht es dann auch ganz schnell.

P: Okay, ich gebe morgen Bescheid.

Am nächsten Tag in der Arztpraxis

P: Bitte, würden Sie dafür sorgen, dass alles für einen Voruntersuchungstermin und eine Operation in die Wege geleitet wird?

A: Sicher, wir geben Ihnen dann Bescheid.

Mehrere Wochen später sucht der Patient erneut die Arztpraxis auf, da sich niemand gemeldet hat.

P: Wissen Sie schon, wann denn nun endlich der Voruntersuchungstermin stattfinden soll? Sie wollten doch Bescheid sagen, ich warte immer noch.

A: Wir haben gerade eben aus dem Zentrum ein paar Termine bekommen, Moment ich schaue mal nach. Oh, hier haben wir Sie ja schon.

P: Und wann ist der Termin nun? Ich meine, jetzt im Sommer passt es mir ganz gut, da ist weniger zu tun und ich kann nach der Operation besser ersetzt werden.

A: Na ja, so schnell geht es nun auch wieder nicht, der Termin ist Mitte September.

P: Wie bitte? Das sind noch über drei Monate hin?

A: Tja, das ist leider so, das legt das Zentrum fest. Aber wir geben Ihnen Bescheid, falls ein Patient zwischendurch ausfallen oder absagen sollte.

Springen wir wieder ein bisschen nach vorne, es ist September und der Termin im Operationszentrum hat gerade eben stattgefunden.

P: Wann wird denn nun operiert? Man sagte mir, das ginge jetzt ganz schnell.

O: Den Termin bekommen Sie dann von Ihrem Arzt, so in ein bis zwei Wochen. Bitte gehen Sie vorher zu Ihrem Hausarzt, um einige Werte feststellen zu lassen, hier haben Sie einen Brief für Ihren Hausarzt.

Zwei Wochen gehen ins Land und es passiert … richtig … gar nichts. Patient geht also wieder Praxis des Arztes, steht allerdings vor verschlossener Tür … Praxis wegen Urlaubs geschlossen. Patient geduldet sich eine weitere Woche und fragt dann schließlich nach.

P: Entschuldigen Sie bitte, aber man sagte mir im Operationszentrum, dass ich nach der Voruntersuchung innerhalb von ein bis zwei Wochen einen Termin von Ihnen bekommen würde. Wann ist denn nun endlich die OP?

A: Wieso wir? Hat Ihnen das Zentrum keinen Termin mitgegeben? Damit haben wir doch gar nichts zu tun.

P: Nein, die haben gesagt, Sie machen das.

A: Okay, ich rufe dort einmal an. Moment bitte.

P: Danke schön, ich warte.

A: Hören Sie bitte, die Dame, die die Termine vergibt ist diese Woche noch in Urlaub, erst nächste Woche kann man sie wieder erreichen.

P: Wie jetzt? Ein Zentrum, das den ganzen Landkreis mit seinen Operationen abdeckt, hat nur eine Kraft, die das mit der Terminvergabe beherrscht und wenn die aus welchen Gründen auch immer nicht da ist, dann geht nichts mehr?

A: Ist leider so, wir melden uns dann nächste Woche sofort bei Ihnen.

Eine Woche vergeht, montags hat sich natürlich keiner gemeldet, am Dienstag beschließt der Patient, zunächst das Telefon zu bemühen, immerhin kann man Termin ja auch auf diese Art absprechen, doch der Teufel steckt im Detail: Es ist immer besetzt. Patient beschließt, auch wenn die Zeit eigentlich kneift, die Praxis ein weiteres Mal aufzusuchen, denn immerhin muss er ja noch den Termin bei seinem Hausarzt abmachen, wegen der Werte und so … und sein Arbeitgeber muss ja auch planen können. Als er in die Praxis kommt, ist komischerweise aber niemand am Telefonieren, obwohl eben noch, per Handy getestet, besetzt gewesen ist.

P: Ich wollte mal hören, wie weit Sie mit der Terminabsprache sind. Immerhin wollten Sie sich melden.

A: Wir haben eben gerade ein paar Termine erhalten, ich schaue mal nach, ob Sie dabei sind. Oh, ja, nächste Woche … also in sechs Tagen ist ihr Termin.

P: Moment, wie soll das jetzt gehen? Man sagte mir, ich muss circa zwei Wochen vorher einen Termin beim Hausarzt haben, das klappt dann ja nicht mehr und überhaupt, wie soll man so schnell alles planen?

A: Ich kann ja versuchen, ob ich Ihren Termin mit dem eine Woche später tauschen kann.

P: Das wäre gut, ich melde mich spätestens morgen früh noch einmal.

Am nächsten Tag in der Praxis mit dem dauerbesetzten Telefon.

P: Können Sie nun bitte den Termin tauschen?

A: Ich erreiche den anderen Patienten aber nicht. Das ist ihm sicher auch zu kurzfristig.

P: Und was soll ich nun machen?

A: Wir werden den Termin streichen und Sie warten auf einen neuen.

P: Ja klar und der ist dann im Dezember oder erst im nächsten Jahr. Ich warte nun schon seit Mai, dass das behoben wird.

A: Vielleicht geht es ja auch schneller.

P: Ich hatte aber deutlich gesagt, wann ich nicht kann und das ist demnächst.

A: Wissen Sie was, gehen Sie doch am besten selbst in das Zentrum und sprechen einen Termin ab.

P: Okay, das werde ich.

Patient geht zum Zentrum, wo er deutlich verwundert empfangen wird.

O: Eigentlich dürfen wir mit den Patienten keine Termine abmachen, das macht die Praxis selbst.

P: Die haben mich aber hergeschickt. Zumal die behauptet haben, Sie würden immer die Termine machen und nur an die Praxis weitergeben.

O: Ist es Praxis X? Alles klar, Frau X ist etwas sehr eigen.

P: Wieso das? Ich denke, Sie haben die letzte Entscheidung.

O: Im Fall dieser Praxis eher nicht. Sie legt die Termine so fest, wie es ihr für die Nachsorge am besten passt. Da kann es auch schon mal sehr kurzfristig werden.

P: Aber warum behauptet sie dann, es wäre auf Ihrem Mist gewachsen?

O: Keine Ahnung.

P: Wenn Sie meinen, dass das mit dem Termin beim Hausarzt noch reicht, dann lassen Sie bitte den gestrichenen Termin wiederaufleben. Geht das noch?

O: Machen wir, alles klar, der Termin findet statt.

 

Unnötig zu erwähnen, dass es ein ziemliches Kuddelmuddel ist, das eine einzelne Praxis dort angerichtet hat und der Patient ist der Leidtragende, denn er hat auf einen Termin, der anderenorts innerhalb weniger Wochen erledigt ist, ein halbes Jahr warten müssen, wenn man die Zeit ab erster Terminvergabe mitrechnet, dann summiert sich das sogar auf ein knappes Jahr. Ein Jahr, in dem er ja schon unter einer Beeinträchtigung zu leiden hatte.

Alles nur fiktiv? Leider nein, sondern alltägliche Willkür in deutschen Arztpraxen. Und wohl eher der Regelfall, wenn man nicht privat versichert ist.

Die Schuld dafür … wo soll man sie suchen? Bei den Ärzten? Oder doch eher bei den Kassen?

Warum eine Minderheit die Mehrheit regiert … oder Lerche vs Eule

Bislang bin ich immer davon ausgegangen, dass die sogenannten Morgenmenschen (Lerchen) in der Überzahl sind, warum sonst ist es üblich, dass das Gros der Bevölkerung schon früh um sieben oder acht anfängt zu arbeiten? Auch Schulen beginnen mit dem Unterricht zu einer Zeit, zu der die meisten Schüler eigentlich noch gar nicht wirklich aufnahmefähig sind. Es scheint also immer so, als wäre die große Masse dafür verantwortlich, dass Supermärkte schon um sieben öffnen und auch in Krankenhäusern die Frühschicht schon um sechs beginnt.

Weit gefehlt.

Ich habe mal ein wenig recherchiert. Der Anteil der wirklichen Morgenmenschen an der Bevölkerung beträgt nur ungefähr fünfunddreißig Prozent. Also deutlich die Minderheit. Dass es anders wirkt, liegt daran, dass die Mehrheit der restlichen fünfundsechzig Prozent versucht, sich anzupassen und dabei natürlich auch immer im Brustton der Überzeugung betont, dass das alles nur eine Frage des Willens wäre und dass sich jeder irgendwann umstellt – und sei es aus Gewohnheit.

Da sich jeder Körper im Laufe eines Lebens mehrfach verändert, geschieht es manchmal tatsächlich, dass sich der Rhythmus an das Arbeitsleben angleicht. Diese Menschen wachen dann auch im Urlaub zu der Zeit auf, die sie sonst gewohnt sind. Aber das sind Ausnahmen. Der körpereigene Biorhythmus ist jedoch vorgegeben, teilweise sogar genetisch bedingt. Das heißt, man kann ihn etwas anpassen, komplett umdrehen eher nicht.

Wenn man das alles zugrunde legt, kommt man doch unweigerlich zu der Frage, warum protestieren wir Eulen (ja, ich bin eine) eigentlich nicht und boykottieren Geschäfte am frühen Morgen? Keiner muss doch sein Grillfleisch morgens um sieben schon kaufen, oder? Warum verschieben wir nicht den Unterrichtsbeginn auf neun Uhr? Unseren Kindern würde es besser bekommen. Wieso können Frühschichten nicht um acht beginnen statt um sechs? Kranke könnten dann etwas länger schlafen und würden nicht während des Genesungsprozesses unnötig früh aus dem gerade für sie so wichtigen Schlaf gerissen werden?

In Deutschland gilt doch eigentlich das Mehrheitsprinzip. Also, kann mir mal jemand erklären, warum wir Eulen uns das gefallen lassen?

P. S.

Zu Zeiten, als wir hier im Lande noch nicht diese Wahnsinnsöffnungszeiten hatten, gab es zum Beispiel im Ausland bessere, die mir durchaus ausreichend erscheinen. Nämlich Montag bis Samstag von neun bis neun. Das ist simpel, man muss sich keine verschiedenen Zeiten merken und ich denke, dass jeder es schaffen kann, innerhalb dieses Rahmens einzukaufen. Der eine eben vor, der andere nach der Arbeit. So etwas würde ich auch hier begrüßen, denn wer muss ernsthaft noch um elf Uhr nachts einkaufen? Wenn man wirklich mal etwas vergessen hat, tja, dann wird man sicher auch bis zum nächsten Tag überleben. Früher ging das auch. Wir sind doch alle soooooo toll organisiert.

P. P. S.

Es ist übrigens erwiesen, dass Nachtmenschen kreativer sind. Sie haben nämlich gelernt, zu improvisieren und andere glauben zu machen, sie wären schon voll da, selbst wenn sie noch zombiemäßig durch die Gegend schleichen. Diese Kreativität auch die Erklärung dafür, dass sich ausgerechnet unter den Künstlern so viele Eulen befinden.

Resümee zu Amazonien …

Ich plädiere für folgende Sachen:

  1. Rezensieren sollte man nur dürfen, wenn man auch gekauft oder ausgeliehen hat. Das würde auch so mache Hassrezi verhindern, denn der entsprechende Rezensent müsste zumindest erst etwas Geld in die Hand nehmen, um seinem Konkurrenten zu schaden. Blogger könnte man sicher gesondert kennzeichnen und in eine Liste eintragen, damit kein Schindluder getrieben werden kann. Gut, Rezensionsexemplare verschenken wäre dann wahrscheinlich überflüssig, aber … die meisten Blogger kaufen ihre Exemplare ohnehin lieber selbst. Man könnte dann aber immer noch mit Gutscheinen arbeiten, damit der Blogger/Rezensent das Buch selbst kaufen kann.
  2. Wenn es nur mit verifiziertem Kauf gehen würde, wäre auch solche Fälle, wie der unter Zweitens beschrieben, überflüssig.
  3. Kein Problem mit dem gesperrten Blick ins Buch wegen Jugendschutz, aber … wenn gesperrt wird, dann bitte schön alle. Ohne Ausnahme. Und eigentlich auch überprüfen, wenn Titel unter Liebe eingestellt sind (oder in eine andere Kategorie), ob nicht der Klappentext schon auf explizite Szenen hinweist. Oder die Kategorie Erotik ganz abschaffen und die harten Fälle in eine neu zu schaffende Kategorie Porno einsortieren … und zwar nicht vom Autor selbst, sondern in dem Fall von einer Art Prüfkommission. Nein, ich will kein FSK, das gibt es für Bücher gar nicht. Aber es könnte nicht schaden, wenn in Amazonien jemand wenigstens mal die Klappentexte mancher Machwerke aufmerksam lesen würde. Wenn ein Autor eine verbotene Preisangabe macht, finden die das ja komischerweise auch 🙂

P.S.: Meinen Büchern hat der fehlende Blick ins Buch bislang nicht wirklich geschadet … eher das Gegenteil ist der Fall. Obwohl es schon merkwürdig ist, nach welchen Kriterien diese Sperrungen vonstattengehen.

P.P.S: … ja ich weiß, wir alle lieben Rezensionen, aber mal ehrlich … fairer wäre es doch … wer kauft, darf rezensieren und zwar unabhängig von Verwandtschaftsgrad oder Freundestatus … wer bezahlt, erwirbt in meinen Augen eben dieses Recht. Sonst soll man das doch am besten ganz canceln … dann gibt es auch weniger Hasskommentare.